Diese Seite empfehlenEmail Facebook Twitter

Highlights

Frühmesse, 1884-1886

Öl auf Leinwand, 108 x 211 cm
Depositum der Otto Fischbacher Giovanni Segantini Stiftung
mehr

Hauptmotiv ist die mächtige Barocktreppe der Kirche von Veduggio in der Nähe von Pusiano. Die ausgetretenen und verwitterten Stufen führen direkt zur obersten Treppenkante, der Übergang zum Morgenhimmel erscheint ausgesprochen abrupt. Allein der Priester, der gedankenverloren die Stufen hochsteigt, ragt über den Horizont und verbindet so das Irdische und das Überirdische. Die Treppe wird zum Symbol für den Lebensweg. Der fahle Mond steht für die ewige Wiederkehr von Tag und Nacht.

Ave Maria bei der Überfahrt, 1886

Öl auf Leinwand, 120 x 93 cm
Depositum der Otto Fischbacher Giovanni Segantini Stiftung
mehr

Bildthema ist das Ave Maria, das seit dem Mittelalter volkstümlichste Mariengebet und Ausdruck tiefer katholischer Gläubigkeit. Das Angelusläuten rief die Gläubigen am Morgen, Mittag und Abend zum Gebet auf. Das Läuten der Kirchenglocken am fernen Ufer fordert das Paar mit dem Kind in der Barke zum Innehalten und zum andächtigen Gebet auf. Durch das Gebet unter freiem Himmel wird die ganze Umgebung zum Andachtsraum. Die idyllische Szene, die vom leuchtenden Strahlenkranz der aufgehenden Sonne überwölbt ist, beschwört eine zutiefst friedliche Stimmung.

Rückkehr vom Wald, 1890

Öl auf Leinwand, 64 x 95 cm
Depositum der Otto Fischbacher Giovanni Segantini Stiftung
mehr

Die Dämmerstimmung, das Weiss des Schnees und der matte Himmel beschwören einen bitterkalten Winterabend. Eine Bäuerin zieht einen schwer mit Holz beladenen Schlitten zum Dorf. Versinnbildlicht wird die ärmliche Existenz der Bergbauern während der entbehrungsreichen Winterzeit. Das Bild ist eine Allegorie für Leben und Tod, für den Kreislauf der Natur. Die Wurzelstöcke verweisen symbolisch auf den Beginn des Lebens, das in der Erde entsteht, der schwere Schnee auf den Tod, der gespurte Weg auf den Lebensweg und der Kirchturm, der mit seiner Spitze in den Himmel ragt, auf die Wiederkehr jeden Lebens.

Die Heuernte, 1888/1898

Öl auf Leinwand, 137 x 149 cm
Depositum der Gemeinde St. Moritz, Vermächtnis Adolf Bensinger, Mannheim, 1939
mehr

Das Bild entstand 1888 in Savognin. Zehn Jahre später fügte Segantini in Soglio oben ein Stück Leinwand an, so dass das Bild zum Quadrat wurde. Zwischen Wiese und Himmel wurde das blaue Band der Berge eingefügt, so dass nun die Gipfel bei Soglio hinter einer Savogniner Wiese aufragen. Der Himmel erhält dadurch viel mehr Raum: Die dunklen Wolken und der leuchtende Strahlenbogen der untergegangenen Sonne haben symbolistische Bedeutung. Das Tun der Menschen vollzieht sich unter einem Himmel, der Verheissungsvolles und Bedrohliches birgt. Der Mensch ist sowohl guten wie bösen Mächten ausgeliefert.

Mittag in den Alpen, 1891

Öl auf Leinwand, 77,6 x 71,5 cm
Depositum der Otto Fischbacher Giovanni Segantini Stiftung
mehr

Das gleissende Licht der Sonne, die am Mittag auf dem höchsten Punkt steht, lässt die Landschaft flimmern. Im strahlendblauen Himmel wiegen sich zwei Vögel im Wind, was dem Bild den ursprünglichen Titel "Windiger Tag" gab. Die blasse Sichel des Mondes verweist auf die Nacht. Die Gestalt der jungen Schafhirtin bildet den vertikalen Gegenpol zur waagrecht geschichteten Landschaft. Die Landschaft erscheint als Ausschnitt eines weit umfassenderen Raums: Ein Panorama, in dessen Mitte als Zentrum die Figur aufragt. Der Blick der Hirtin geht ins Rund des Prospektes und öffnet dadurch den Blick für das Ganze.

Das Alpentriptychon, 1898

Kohle und Conté-Stift auf Papier, 137 x 108 cm (äussere Teile), 137 x 127 cm (Mittelteil)
Depositum der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, Winterthur
mehr

Für die Pariser Weltausstellung von 1900 entwarf Giovanni Segantini das Projekt eines riesigen Engadin Panoramas: Ein gigantisches Rundbild mit der Landschaft von der Bernina bis zur Albula. Das Projekt scheiterte an den hohen Kosten. Schliesslich entstand das so genannte Alpentriptychon, das den drei Grundbegriffen menschlichen Daseins entspricht: Das Leben, die Natur, der Tod. Mit dem majestätischen Triptychon schuf Giovanni Segantini am Ende des 19. Jahrhunderts eines der letzten sinnstiftenden Programmbilder der Epoche. Es zeigt das Bild menschlicher Existenz in harmonischem Einklang mit der Natur. Die bäuerlichen Akteure sind eingebettet in den Wechsel von Tag und Nacht, in den Zyklus der Jahreszeiten, in die Angelpunkte zwischen Geburt und Tod. Das grossartige Panorama der Alpenlandschaft eröffnet eine pantheistische Vision von einmaliger bildnerischer Kraft und tiefstem Symbolgehalt.

Werden (La vita), 1896-1899

Öl auf Leinwand, 190 x 322 cm
Depositum der Gottfried Keller-Stiftung
mehr

Die Landschaft zeigt den Blick von Soglio auf die gegenüberliegende Talseite mit der Scioragruppe und dem Bondascagletscher. Die letzten Strahlen der Abendsonne fallen auf die Gipfel. Der Vordergrund liegt schon ganz im Schatten, und im Tümpel in der Bildmitte spiegelt sich bereits der Mond. Am Fusse eines mächtigen Baumes und über offen gelegtem Wurzelwerk sitzt eine Frau mit ihrem Kind, in der Mitte treibt ein Hirte mit Stockschlägen ein Kalb der Herde zu, und rechts nähern sich auf einem Plattenweg zwei Frauen mit ihren Kindern, die sie in Wiegen auf dem Rücken tragen. Nach den Worten des Künstlers stellt die Szene "das Leben aller Dinge dar, die ihre Wurzeln in der Erde haben".

Sein (La natura), 1897-1899

Öl auf Leinwand, 235 x 403 cm
Depositum der Gottfried Keller-Stiftung
mehr

Der tiefe, ebenmässige Horizont teilt Erde und Himmel. Die hinter den Bergen untergegangene Sonne verklärt mit ihrem letzten Licht und dem riesigen Strahlenkranz den weiten Himmel. Geschildert wird das stille, friedliche Geschehen eines bald vollbrachten Tagewerks. Im Vordergrund treiben Bauer und Bäuerin Kühe und Kalb auf dem Alpweg heimwärts. Der Blick geht vom Schafberg hoch über Pontresina auf den Kranz der Berge und tief ins Tal zu den Seen und den Häusern von St. Moritz.

La morte (Vergehen), 1896-1899

Öl auf Leinwand, 190 X 322cm
Depositum der Gottfried Keller-Stiftung
mehr

Nach Segantini stellt das Bild "den scheinbaren Tod aller Dinge" dar. Die Todesthematik geht mit der Jahreszeit parallel. In der tief verschneiten Landschaft von Maloja mit dem Blick gegen das Val Maroz im Bergell warten trauernde Frauen und ein Kind auf den in Tücher gewickelten Leichnam, der aus dem Haus getragen wird. Pferd und Schlitten stehen bereit, um die sterbliche Hülle zum Friedhof zu führen. Die soeben aufgegangene Sonne beleuchtet ein fantastisches, geheimnisvoll visionäres Wolkengebilde, das auf ein überirdisches Dasein und auf die Wiederkehr allen Lebens hindeutet.