Giovanni Segantini (1858-1899)

Der 1858 in Arco (Trient) am noerdlichen Ufer des Gardasees geborene Kuenstler besuchte die Mailaender Kunstakademie Brera, lebte anschliessend in der Brianza und zog 1886 in die Schweiz. Zuerst liess er sich mit seiner Familie in Savognin nieder. Seit 1894 lebte er in Maloja und Soglio. 1899 starb Giovanni Segantini im Alter von 41 Jahren an einer Bauchfellentzuendung auf dem Schafberg oberhalb Pontresina, wo er das Mittelstueck seines Alpentriptychons, La Natura / Natur, vollenden wollte.

Segantini wurde schon zu Lebzeiten als Erneuerer und Prophet sowie als grosser Symbolist in halb Europa gefeiert. Das in Mailand und in der Brianza geschaffene Fruehwerk Segantinis ist noch der traditionellen lombardischen Malerei verpflichtet. Nach dem Umzug in die Alpen mit der klaren Atmosphaere konnte der Kuenstler eine lichterfuellte Darstellungsweise entwickeln, die mit der Entwicklung der divisionistischen Maltechnik und der zunehmenden Hinwendung zum Symbolismus einherging.

Mit dem maejestetischen Alpentriptychon La Vita / La Natura / La Morte - Leben / Natur / Tod realisierte Giovanni Segantini am Ende des 19. Jahrhunderts eines der letzten sinnstiftenden Programmbilder der Epoche. Als Monumentalzyklus fuer die Pariser Weltausstellung von 1900 geplant, entwirft der Kuenstler das Bild menschlicher Existenz in harmonischem Einklang mit der Natur. Die Landschaften und die einfachen Menschen sind in den ewigen Zyklus der Jahreszeiten eingebettet.



Neben Ferdinand Hodler ist Giovanni Segantini der herausragende Kuenstler der Schweizer Bergwelt. Sein internationaler Ruhm bereits zu Lebzeiten wie auch seine kunsthistorische Bedeutung sind begruendet in der einmaligen Verbindung einer akribisch beobachteten Natur mit einem uebergreifenden symbolistischen Gehalt. Dem Kuenstler gelingt es, die minuzioes erfasste alpine Landschaft ohne einen ueberhoehten Illusionismus in allegorische Bildvisionen von ausserordentlicher Leuchtkraft einfliessen zu lassen. Gilt Giovanni Segantini mit seinen alpinen Visionen als einer der Hauptvertreter des europaeischen Symbolismus des Fin de Siecle, so weist ihn der von ihm wesentlich mitgepraegte italienische Divisionismus als Erneuerer der Malerei aus. Die Technik des Divisionismus - das Nebeneinander feinster Pinselstriche in reiner Farbe - ist sein entscheidender Beitrag zur damaligen Avantgarde. Darin liegt auch das Geheimnis der Leuchtkraft seiner Gemaelde.